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Vielfalt braucht deinen Standpunkt

Vielfalt braucht deinen Standpunkt

map the gap

Niedersachsen ist ein vielfältiges Land: Wenn man mit offenen Augen durch die Städte und Dörfer des Landes geht, findet man überall Beispiele für ein gelebtes Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft, Kultur, Religion, sexueller Orientierung sowie mit und ohne körperliche/geistige Beeinträchtigungen – man findet aber auch überall Beispiele für bewusste oder unbewusste Ausgrenzung im Alltag oder Orte, an denen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) schreckliche Folgen hatte bzw. hat.

Mit dem Projekt map the gap wollen wir jungen Menschen die Gelegenheit bieten, sich spielerisch mit den Chancen einer vielfältigen Gesellschaft und den negativen Folgen von GMF in ihrer Lebenswelt auseinanderzusetzen. GMF bezieht sich auf Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit oder die Abwertung von Obdachlosen.

So ist bspw. auch zu konstatieren, dass rechte Gewalt dieses Jahr in Niedersachsen wieder stark zugenommen hat. map the gap hat zum Ziel, junge Menschen für die Gefahr von Abwertung und Ausgrenzung sowie für die Potenziale einer vielfältigen Gesellschaft zu sensibilisieren. Gleichzeitig werden sie dazu bewegt, öffentliche Diskriminierung nicht einfach hinzunehmen, sondern darauf zu achten und sich zu positionieren.

Im Rahmen des Projektes map the gap sollen junge Menschen ihre Lebenswelt mit dem Blick auf Vorurteile, Ausgrenzung, aber auch Vielfalt genauer unter die Lupe nehmen. Dazu werden Workshops organisiert, in denen junge Menschen in ihrer Heimat Orte, die sie mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder auch Vielfalt in Verbindung bringen, identifizieren. Im Anschluss sollen sie eine Route erstellen, an welcher später mithilfe einer öffentlichen GPS-App Menschen langgeführt werden. Einzelne Punkte werden dann mit Informationen und Quizfragen versehen, so dass Spielende sich thematisch mit der jeweiligen Station auseinandersetzen müssen, um sich die neuen Koordinaten für die nächste Station zu erspielen. So sollen anschließend möglichst viele Menschen auf das Thema aufmerksam gemacht werden.

map the gap ist ein gemeinsames Projekt des Landesjugendrings Niedersachsen und des Zentrum Demokratische Bildung. Das Projekt wird aus Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gefördert.

Damit wir planen können solltet ihr euch kurz unter: info@zdb-wolfsburg.de oder Mobil unter 0152 0190321 anmelden! Natürlich wird es in der Zeit auch Snacks & Getränke geben.

Zur Ideologiekritik des Rassismus und Islamismus!

In den letzten Wochen wurde wieder einmal viel geredet – über „den Islam”, der etwas mit dem Terror zu tun habe, oder auch nicht. Über „die Muslime”, die sich distanzieren müssten, oder auch nicht. Über angebliche Bilderverbote und „die Muslime” provozierende Karikaturen. Zudem verstärkt, aber bei weitem nicht erst seit PEGIDA und Co., über die „Identität” Deutschlands, Zuwanderung und „Islamisierung”.
Es scheint notwendig, sich ganz grundsätzlich der Rede über „den Islam” zuzuwenden. In den Debatten der letzten Wochen, Monate und Jahre wurde auch in Reden, Talkshows und im Feuilleton fast durchgängig auf der Basis von kulturalistischen oder rassistischen Identitätskonstrukten und fragwürdigen Bezugsgrößen argumentiert. Nur geringes Sachwissen und theoretische Ahnungslosigkeit korrespondierten mit dem Drang, gerade hier eine Meinung zu haben – zu „den Muslimen“, „dem Islam“ und „der Scharia”, zu „Salafisten” und „Kopftuchmädchen”. PEGIDA war anschlussfähig an diese Debatten. Dabei verblüfft nur auf den ersten Blick, dass deutsche Salafisten und andere Islamisten die Positionen naiver Kulturalisten und rassistischer „Islamkritiker” zumeist teilen. Auch sie sind sich sicher, den einen Islam zu repräsentieren oder „die Scharia” befolgen zu wollen; als Produkte der Moderne glauben sie, die „authentische Tradition“ zu verkörpern.
Kollektivierung und Ressentiment verhelfen Rassisten wie Islamisten zu Sicherheit und Identität; Islamismus und antimuslimischer Rassismus sind Krisenbewältigungsideologien. Gegen die Konjunktur von „Kultur und Identität“ und die Biologisierung des Sozialen gilt es, auf die realen Ursachen politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen und Konflikte zu verweisen. Dass es mit „dem Islam“ alles etwas komplizierter ist, als man es jeden Tag vernimmt, wird dann ganz von alleine deutlich.

Hannes Bode ist Islamwissenschaftler und Historiker und arbeitet als freier Referent und Publizist.
Donnerstag, 12. Februar um 19:00 Uhr

Eine Veranstaltung der Falken Braunschweig und Antifaschistische Gruppe Braunschweig